Bericht / Rapport Walter Mischo und Inge Kramp

29.10.2011

Bei strahlend schönem Herbstwetter fahren wir durch gelb-rötliche Baumlandschaften, die einen vergessen ließen, dass man im Bus saß, der nach Berlin fuhr. Das Hotel 4 Youth in der Bernauer Straße ist so gebaut, dass seine Schwelle genau mit dem Verlauf der früheren Mauer übereinstimmte. Dort traf die Gruppe von 14 Wackernheimer am Nachmittag auch mit den per Flugzeug angereisten 19 Besuchern aus Daix zusammen, die fortan gemeinsam den Wackernheimer Bus benutzten. Die ersten Eindrücke von dem, was die Mauer war, konnte man schon vor dem Hotel sammeln: Ein zehn Meter breiter früher auch nachts beleuchteter Todesstreifen, an dessen einer Seite Beobachtungstürme und Bunker das Überwinden unmöglich machten. Im Mauerpark waren noch Reste der Befestigungsanlagen zu sehen und die Strecken von zwei unterirdischen Fluchttunnels waren angedeutet. Über 70 Menschen kamen bei Fluchtversuchen ums Leben, weit über 100 wurden durch Schusswaffen verletzt.

 

30.10.2011

Potsdam war die nächste Station am Sonntag, dem 30. Oktober. Die Straße nach Potsdam führt über die Glienicker Brücke. Ein weißer Querstreifen in der Fahrbahnmitte war die Demarkationslinie zwischen Ost und West. Das Symbol der Teilung war zugleich die Agentenschleuse in beide Richtungen. Friedrichs des Großen Schloss Sanssouci - man kennt es von Ansichtskarten - aber wenn man dann vor den Weinberg artig angelegten Terrassen auf das majestätische Schloss schaut bleibt ein unvergesslicher Eindruck von Glanz früherer Zeiten. Ein lang gestreckter prachtvoller Saal im Inneren - die Bildergalerie. Hier hängen Historiengemälde von Rubens, van Dyck, Tintoretto und Caravaggio.

Bescheiden hingegen Schloss Cecilienhof, im Stil eines englischen Landhauses 1917 erbaut für den Kronprinzen Wilhelm. Hier fand im Sommer 1945 die Potsdamer Konferenz statt, deren Ergebnis die Teilung Deutschlands war. Zu den unübersehbaren Sehenswürdigkeiten in Potsdam gehört die Nikolaikirche. Das kuppelgekrönte Gotteshaus war bei Kriegsende zerstört worden, endgültig abgeschlossen wurde die Restaurierung im Juli vorigen Jahres. Ein Besuch im Holländischen Viertel mit seinen ziegelroten Backsteinhäusern schloss den Besuch in Potsdam ab.

 

31.10.2011

Die Berliner Innenstadt mit Alexanderplatz, Rotem Rathaus, Unter den Linden, Gendarmenmarkt - ein historischer Spaziergang - so begann Montag, der 31 Oktober. Ein Empfang in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz schloss sich an. Dr. Otto Schmuck, Leiter der Abteilung Europa-Angelegenheiten, die auch hier wahrgenommen werden, informierte über die Einflussmöglichkeiten der Länder beim Bund. Beeindruckend der Blick von der Dachterrasse auf die nächsten Ziele. Nach einem vor Ort zubereiteten Mittagessen ging die Gruppe zu Fuß, vorbei am Holocaust-Denkmal in Richtung Brandenburger Tor.

Ein Besuch des Reichstags, seit 1999 wieder Sitz des Bundestages, schloss sich an. Eindrucksvoller als das parlamentarische Innenleben war der Besuch der Glaskuppel, die das Reichstagsgebäude krönt. Spiralförmig führt der Weg bis zur Kuppelspitze in 50 Meter Höhe und gibt den Rundblick frei über die Hauptstadt. Ein Gespräch mit Michael Hartmann schloss sich an. Der Wackernheimer SPD-Abgeordnete war Tage zuvor zum innenpolitischen Sprecher seiner Fraktion gewählt worden und sprach über Fragen der inneren Sicherheit.

Die East-Side-Gallery ist das Ergebnis einer flippigen Sprayer-Kultur. Auf 1300 Meter Mauer haben 118 Künstler aus 21 Ländern eine Freiluft-Galerie mit zum Teil politischen Karikaturen gesprüht.

 

01.11.2011

Der Dienstag begann mit einem Besuch von Schloss Charlottenburg und Garten. Nach verheerenden Kriegszerstörungen begann man 1950 mit dem Wiederaufbau. Eindrucksvoll die Galerie der Romantik mit Gemälden von Caspar David Friedrich und das Porzellan-Kabinett mit vergoldeten und verspiegelten Wänden. Im Reinhard's auf dem Kurfürstendamm war das Mittagessen gebucht. Ein Wackernheimer führt in dem Prominenten-Lokal die Geschäfte.

„The Story of Berlin“ heißt ein Museum, das man auf dem Kurfürstendamm nicht vermutet hätte. Auf mehreren Etagen ist die Geschichte Berlins dargestellt, die dunklen Jahre von 1933 bis 45 sind nicht ausgespart. Als Gag geplant - in Nachdenken endend - ein Besuch in einem Atombunker, in dem 3500 Berliner einen Atom-Angriff hätten überleben sollen - ein gespenstischer Auswuchs des Kalten Krieges in der Frontstadt.

Das krasse Gegenteil dann beim Besuch der „Zauberflöte“ in der Deutschen Oper am Abend. Eine humorvolle Inszenierung mit exzellenten Solisten besetzt - man darf sagen: Die gelungene Krönung eines deutsch-französischen Treffens in Berlin.

 

02.11.2011

Mit Plänen im Kopf für eine ebensolche Begegnung in der französischen Hauptstadt traten beide Gruppen getrennt die Rückreise an, die Wackernheimer mit einem Stopp in Erfurt und einem kleinen Rundgang durch die Innenstadt mit einem Besuch des Doms.